Existenzgründung im Handwerk nur mit Meisterbrief

Existenzgründung im Handwerk nur mit Meisterbrief. Die EU plant, den Einstieg in reglementierte Berufe zu erleichtern. Unter einem reglementierten Beruf versteht man einen Beruf, für dessen Ausübung oder Existenzgründung im Handwerk man eine vorgeschriebene Ausbildung erfolgreich absolviert haben muss, sprich einen IHK Ausbildungsberuf, einen Beruf mit Staatsexamen oder Universitätsabschluss.

Das gilt natürlich auch für alle Existenzgründer mit Businessplan. Die EU sieht hier vielerorts in den Mitgliedsstaaten zu hohe Hürden. Europaweit sind etwa 740 Berufe betroffen, vom Apotheker über den Lehrer bis hin zum Handwerksmeister. Die Empfehlung der EU, Zulassungsbeschränkungen bei Existenzgründung im Handwerk abzubauen, stößt auf den Widerstand der deutschen Wirtschaft, die den qualitativen Standard der deutschen Berufsausbildung gefährdet sieht.

Die EU Kommission empfiehlt den Abbau von Zugangsbeschränkungen, um den Arbeitsmarkt anzukurbeln. Sie verspricht sich von dieser Vorgabe, die Wirtschaft zu stimulieren, den Fachkräftemangel beheben und neue Jobs zu schaffen.

Existenzgründung im Handwerk - Kritik des deutschen Handwerks

Das deutsche Handwerk betrachtet diesen Vorstoß skeptisch. Die Betriebe sehen das duale Ausbildungssystem und den Meisterbrief in Gefahr. Dieses System wird als Garant für die hohe Qualität deutscher Produkte gesehen und ihm ist es laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks zu verdanken, dass Deutschland nicht von so einer immens hohen Jugendarbeitslosigkeit betroffen ist wie einige seiner Nachbarländer. Eine Abschaffung dieses bewährten Qualifizierungssystems, das eine theoretische Ausbildung in der Berufsschule und eine praktische im Betrieb vor Ort vorsieht, wird seitens des Verbandes als ein Angriff auf die deutsche Wettbewerbsfähigkeit gesehen. Die EU Kommission verwahrt sich gegen den Vorwurf, ihr Vorschlag gefährde das duale Ausbildungssystem. Dieses bleibe unangetastet, denn in ganz Europa hat sich herumgesprochen, wie gut das Ausbildungssystem „made in Germany“, das auch in Österreich und der Schweiz angewandt wird, funktioniert. Abgesehen davon handle es sich bei dem Vorstoß der Kommission nicht etwa um eine Gesetzesinitiative, sondern lediglich um eine unverbindliche Anregung, die an die Mitgliedsstaaten gerichtet sei.

Existenzgründung im Handwerk - Einebnung von Qualifikationsunterschieden

Allerdings werde der Zugang zu den reglementierten Berufen bei einer Existenzgründung im Handwerk einer genauen Prüfung unterzogen. EU Binnenmarktkommissar Michel Barnier begründet dieses Vorhaben damit, dass die „Bedingungen für den Zugang zu bestimmten Berufen [...] kompliziert, beschwerlich und oft von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat sehr unterschiedlich“ seien. Zu große Unterschiede will die EU einebnen; damit soll verhindert werden, dass Qualifikationsunterschiede die Arbeitssuche (Existenzgründer) im Ausland erschweren bzw. verhindern, was bestimmte Professionen betrifft.

Reglementierte Berufe stehen für Qualität und Verbraucherschutz; sie erfordern bestimmte Abschlüsse und Qualifikationen, der Beruf ist damit „geschützt“. Europaweit gibt es etwa 740 solche Berufe – die ganze Palette ist betroffen: Handwerksberufe, freie Berufe, Lehrberufe, Rechtsberufe etc. Zu viele Auflagen, so die EU Kommission, hinderten Jugendliche jedoch am Einstieg ins Berufsleben und zögen dementsprechend eine hohe Jugendarbeitslosigkeit nach sich.

Existenzgründung im Handwerk - Vorteile des EU Vorstoßes

Durch niedrigere berufliche Hürden wird die Mobilität von Arbeitnehmern – egal ob jung oder alt – erhöht. Dies wiederum kommt dem europäischen Wirtschaftswachstum und der Wettbewerbsfähigkeit zugute. Die Kommission verlangt deshalb von den Mitgliedsstaaten zugangsbeschränkte Berufe zu überprüfen und die Notwendigkeit der Beschränkungen in jedem einzelnen Fall genau zu hinterfragen. Der deutsche Handwerksverband in Person von Generalsekretär Holger Schwannecke ist der Meinung, dass das krisengeschüttelte Europa zwar einen Wachstumsschub und mehr Arbeitsplätze brauche, aber dass die Deregulierung von Berufen das falsche Signal sei. Nicht zuletzt verdanke sich die hohe Qualität der dualen Ausbildung auch der „hohen Qualifikation der Meister“ in den Betrieben. Die Aufweichung dieser Standards wertet er als „ein[en] Angriff auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands“.

 

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